Home | Online-Service-Center | E-Paper | Dresden/Regionales | Sport | Anzeigen | Termine | Video | Forum | Impressum
DNN-Online - das Internetangebot der Dresdner Neueste Nachrichten
10.03.2010 05:10 Uhr
Aktuell

Dresdens erstes Luxushotel: 25 Jahre „Bellevue“

Dresden. Als erstes Haus am Platze brachte es zu DDR- Zeiten einen Hauch von Luxus und Glamour nach Dresden: Das Hotel „Bellevue“ am Neustädter Elbufer glänzte mit Jupiter-Nachtbar, polynesischer Küche und modernster Ausstattung. In diesem Jahr feiert das Haus, das mit der Eröffnung der wiederaufgebauten Semperoper am 13. Februar 1985 als erstes Luxushotel der Stadt den Betrieb aufgenommen hatte, 25-jähriges Bestehen. Das in drei Jahren nach Plänen japanischer Architekten errichtete „Westhotel“ galt als Prestigebau, in dem vor allem Politiker, Künstler und Wissenschaftler aus der BRD abstiegen.

„Im Hotel verlief eine Grenze zwischen Ost und West, im wahrsten Sinne des Wortes“, erinnert sich Hans-Joachim Herrmann, der das Hotel von 1992 bis 1994 leitete. Der Westflügel mit dem schicken Palais- Restaurant und den für damaligen Verhältnissen topmodernen Zimmern war für Ostbürger tabu. „Reserviert nur für Devisenbringer“, sagt Herrmann. Gezahlt wurde ausschließlich mit Westwährung. Nur die Elbterrasse im Ostteil des Hotels stand den Dresdnern offen. Und in den letzten Jahren der DDR dann auch das exklusive Restaurant „Buri Buri“, das mit polynesischen Spezialitäten Südsee-Flair versprühte.

Um allerdings einen Platz in dem extravaganten Lokal zu ergattern, brauchten die Einheimischen neben genügend Geld auch viel Geduld: Bis zu sechs Monate mussten sie auf eine Tischreservierung warten. Auch sonst hatte das „Bellevue“ - französisch für schöner Blick - einige Extras zu bieten: Zwei der historischen Salons waren bestückt mit Meissner Porzellan, und auch im Swimmingpool konnten die Gäste aus dem Wasser auf die historische Altstadt am gegenüberliegenden Elbufer blicken. Juwelier, Intershop und Kunsthändler boten zudem viele Möglichkeiten zum Einkaufen im DDR-Vorzeigehotel.

Ex-Hotelchef Herrmann erinnert sich ganz genau an seinen ersten Eindruck vom „Bellevue“: „Ich ging in das Restaurant, wo mich noch niemand kannte.“ Prompt habe er eine heftige Diskussion zwischen Hotelgast und Kellner mitbekommen. „Auch zwei Jahre nach der Wende wurde der Kunde eher noch als notwendiges Übel denn als König angesehen“, sagt Herrmann.

Die japanischen Architekten hatten eigentlich geplant, das letzte Barockhaus an der Meißner Straße aus dem 17. Jahrhundert wegzureißen und einen kompletten Neubau zu errichten. Eine Bürgerinitiative aber setzte sich mit Erfolg für den Erhalt des historischen Kleinods ein, das im Gegensatz zu den anderen Häusern die Bombardierungen und die Nachkriegszerstörung überstanden hatte. Das 1733 von Baumeister Pöppelmann umgebaute Gebäude blieb stehen und wurde als Mittelteil in den modernen Neubau mit viel Glas integriert.

Wer damals nach Dresden kam und etwas auf sich hielt, stieg im Bellevue ab. „Erich Honecker eröffnete das Hotel und trug sich als erster ins Gästebuch ein“, berichtet Hotelchef Michael Spamer. Dem DDR-Staatschef folgten im Lauf der Jahre zahlreiche Prominente. Auch Helmut Kohl nächtigte bei seinen Dresden-Besuchen als Bundeskanzler mehrfach im „Bellevue“. Hotelangestellte erinnern sich, dass er am liebsten Eierschecke und Pellkartoffeln mit Quark aß, sich oft unbemerkt auf die Elbterrasse setzte und Kuchen bestellte.

Dem Altkanzler ist angeblich auch der Fußgängerüberweg Richtung Goldener Reiter zu verdanken. „Kohl verließ das Hotel gern ohne seine Bodyguards über die Elbterrasse anstatt über den Haupteingang“, erzählt Spamer. Aber er habe nicht die Fußgängerunterführung benutzen wollen und sei über den Grünstreifen auf die andere Straßenseite gelaufen. „Ihm zuliebe wurde schließlich der Fußgängerüberweg gebaut.“ Bei Stars und Sternchen ist das „Bellevue“ nach wie vor als Herberge beliebt: Robbie Williams stieg hier ebenso ab wie Bonnie Tyler oder Thomas Gottschalk.

Dresdens erstes Luxushotel hatte anfangs 328 Zimmer mit 550 Betten und 1100 Plätze in der Gastronomie. Seit 2000 firmiert es unter der Regie der Hotelkette Westin. Nach eigenen Angaben verfügt das Vier- Sterne-Haus nun über 340 Zimmer und Suiten sowie 19 Tagungsräume. Rund 130 Mitarbeiter sorgen für das Wohl der Gäste in Elbflorenz. „Darunter sind 16, die im Februar ihr 25-jähriges Jubiläum feiern“, sagt Spamer.

Christiane Raatz, dpa

Seite drucken Seite empfehlen zum Forum zur Übersicht



Zeitung in der Schule
Zeitung in der Schule

RSS-Feeds
RSS-Feeds Persönlicher Nachrichten- Kanal bei DNN-Online

Fotogalerien
Die schönsten Events in vielen, vielen Bildern finden Sie in unserer Fotogalerie.

Stadtplan Dresden
Stadtplan Dresden
Schnell in Dresden orientieren: Mit unserem Stadtplan finden Sie jede Straße sicher und schnell.

Ansprechpartner
Für Fragen oder Anregungen finden Sie hier die richtigen Ansprechpartner der Dresdner Neueste Nachrichten.

Home | Online-Service-Center | E-Paper | Dresden/Regionales | Sport | Anzeigen | Termine | Video | Forum | Mail | Impressum
Leipziger Volkszeitung | Döbelner Allgemeine Zeitung | Oschatzer Allgemeine Zeitung | Osterländer Volkszeitung | Dresdner Neueste Nachrichten