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Plagiatsdiskussion an der TU Dresden: Stefan Weber gegen das „Establishment“

Stephan Lohse

  • An der TU Dresden wurde am Montagabend kontrovers über das Thema Plagiate in der Wissenschafft gestritten.
    Foto: Stephan Lohse
    An der TU Dresden wurde am Montagabend kontrovers über das Thema Plagiate in der Wissenschafft gestritten.
Dresden. An der TU Dresden wurde am Montagabend erbittert um das Thema Wissenschaftsplagiate gestritten. Was ist ein Plagiat, welche Ursachen gibt es, wie geht man damit um. Seit Karl-Theodor zu Guttenberg und zahlreichen anderen Politikern ist das Thema außerhalb der Hochschulwelt in den Fokus gerückt.

Auch in Sachsen sind mehrere prominente Fälle aufgetaucht. Der ehemalige Kultusminister Roland Wöller konnte sich erfolgreich gegen den Vorwurf erwehren, bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, der Leipziger Jugendamtsleiter Siegfried Haller kämpft aktuell um seinen Titel, den ihm die Universität Halle-Wittenberg wegen Verstößen gegen wissenschaftliches Arbeiten aberkennen will.

Selbst die TU Dresden hat bereits ihren Plagiatsfall. Die Juniorprofessorin des Instituts für Kommunikationswissenschaft Nina H. legte ihre Stelle im September nieder, nachdem im Internet Plagiatsvorwürfe gegen die Frau aufgetaucht waren. Von einem „weniger freiwilligen Anlass“ sprach Wolfgang Donsbach, Moderator der Runde und Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaft. Gleich zu Beginn betonte er, dass es schon aus rechtlichen Gründen nicht um ihren Fall gehen werde. Der Name seiner einstigen Mitarbeiterin fiel in der von mehreren hundert Studenten und TU-Mitarbeitern verfolgten Veranstaltung kein einziges Mal. Gleichwohl kreiste die Runde immer wieder über dem Fall.

  • Plagiatsgutachter Stefan Weber
    Foto: Stephan Lohse
    Plagiatsgutachter Stefan Weber
Dafür sorgte vor allem „Plagiatsjäger“ Stefan Weber, der den Dresdner Fall mit seinen Recherchen erst ins Rollen gebracht hatte. Seine These, wonach eine Arbeit schon dann als wertloses Plagiat zählt, wenn falsch oder nicht zitiert wurde, spaltete die Runde. Vor allem Bruno Klein, Dekan der Philosophischen Fakultät, widersprach dem energisch. Es gehe immer darum, wie komplex ein Sachverhalt sei, zudem gab er zu bedenken, dass ein Zitierfehler nicht bedeute, dass ein Student nicht ansonsten eine einwandfreie wissenschaftliche Leistung hervorgebracht haben kann. Zudem sei nicht jede Übereinstimmung gleich ein Plagiat. Bei so manchem Sachverhalt sorgten schon die Grenzen der Sprache dafür, dass zwei Texte unfreiwillig gleich klingen. Auf die Komplexität komme es an.

Webers Vorwurf, Universitäten würden Fälle schonmal unter den Teppich kehren, wies Klein ebenso zurück. „Wir sind sensibel für das Problem“, sagte er. Genauso wehrt er sich gegen eine von Weber geforderte standardisierte Prüfung jeder eingereichten Dissertation. Das würde jede Arbeit unter Generalverdacht des Betruges stellen und das Vertrauen in Doktoranten untergraben. Stefan Weber hingegen forderte eine selbstverständliche Prüfung jeder Arbeit. Jeder Prüfer solle die eingereichten Werke der Studenten erst einmal durch Plagiatssoftware checken.

Sowohl bei der Frage, wann ein Plagiat ein Plagiat ist, als auch bei der Frage der Öffentlichmachung einer Anschuldigung kreiste die Diskussion immer wieder um die Dresdner Vorfälle. Als „dramatisch und traurig“ hatte Donsbach den Fall der „betroffenen Kollegin“ noch zu Beginn bezeichnet, seine Form des Umgangs rechtfertigte Weber aber noch einmal. Ohne den Namen zu nennen, verteidigte er die Tatsache, den Fall in seinem Blog öffentlich gemacht zu haben. Das sei die einzige Möglichkeit, die Vorwürfe nicht universitätsintern beim „Establishment“ zu belassen. Dekan Klein prangerte dies jedoch an: „Was steht am Ende der Jagd, das erlegte Wild.“

  • Mehrere hundert Zuhörer verfolgten die Diskussion.
    Foto: Stephan Lohse
    Mehrere hundert Zuhörer verfolgten die Diskussion.
Auch aus dem Publikum musste Plagiatsgutachter Weber letztlich Kritik einstecken: „unerträglich“ sei es, nur auf Prozentzahlen zu Übereinstimmungen zu schauen, hieß es beispielsweise. Viel wichtiger sei es, qualitativ zu prüfen ob eine Arbeit tatsächlich abgeschrieben sei. Hier streifte Weber dann direkt den von ihm ans Licht gebrachten Fall: Hier habe er sich die Arbeit auch inhaltlich vorgenommen: „Der Text war auch schlecht“, so das umstrittene Fazit des Österreichers.

© DNN-Online, 05.11.2012, 22:01 Uhr
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