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Alte und Neue Welten: Curtis-Studenten musizieren in Dresden

dpa

  • Studenten des Curtis Institute of Music in Philadelphia gehören zur Crème de la Crème im musikalischen Nachwuchs der USA.
    Foto: Institute Curtis
    Studenten des Curtis Institute of Music in Philadelphia gehören zur Crème de la Crème im musikalischen Nachwuchs der USA.
Dresden. Sie verkörpern Leidenschaft, Präzision und bei aller Jugend schon eine erstaunliche künstlerische Reife: Studenten des Curtis Institute of Music in Philadelphia gehören zur Crème de la Crème im musikalischen Nachwuchs der USA. Jetzt sind die jungen Künstler zu Gast in Dresden und treffen auf einen Mann, dem die Arbeit mit der nachfolgenden Generation schon lange am Herzen liegt. Für Jan Vogler - Cellist, Intendant und musikalischer Weltbürger - ist die Förderung junger Talente ein erklärtes Ziel auch für die Dresdner Musikfestspiele.

2006 hatte er in seinem Amt als künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals eine zugehörige Akademie gegründet, die jedes Jahr Musikstudenten aus aller Welt anzieht. Vor ein paar Jahren spielte Vogler dort mit dem Präsidenten des Curtis Institute, dem Bratscher Roberto Díaz, zusammen. Dabei entstand die Idee, in Dresden eine Residenz für das Orchester der musikalischen Kaderschmiede aus den USA zu schaffen. Bei den Dresdner Musikfestspielen ist nun das Ergebnis zu hören. Curtis-Musiker gestalten nach dem Auftaktkonzert auch eine Kammermusiknacht und ein Programm mit Schülern.

„Sie treffen mit Dresdner Musikstudenten zusammen; es wird Meisterklassen und andere musikalische Begegnungen geben“, sagt Díaz. So treffen in den kommenden Tagen die Alte und die Neue Welt der Musik aufeinander. Hier die traditionelle Musikerausbildung, bei der ein Hauptfachlehrer die Spielauffassung seiner Schützlinge entscheidend prägt und jede Generation ihren „Sound“ an die nächste weitergibt. Und dort eine breite Ausbildung, bei der die Studenten zwischen verschiedenen Lehrern wechseln und während des Studiums viel Zeit mit dem gemeinsamen Musizieren verbringen. Curtis-Geigerin Becky Anderson bringt es auf den Punkt: „An deutschen Musikhochschulen spielt man üblicherweise in einem Kammermusikensemble mit. Bei uns ist das der Kern der Ausbildung - wir spielen in so vielen Ensembles wie möglich und sammeln dabei ganz unterschiedliche, jeweils unschätzbare Erfahrungen.“

Cellistenkollege Gabriel Cabezas pflichtet ihr bei: „Ich liebe meine kleine, feine Cellistenabteilung, klar. Aber meine eigentliche Inspiration hole ich mir im Spiel mit meinen Freunden, während uns ganz verschiedene Professoren unterrichten.“ So hat das Curtis Symphony Orchestra zwar keinen traditionellen, unverwechselbaren Orchesterklang, auf den einige deutsche Orchester mit Recht stolz sind. „Der Grund ist: Ein Viertel des Orchesters wechselt jedes Jahr, ständig kommen neue Mitspieler hinzu. Einige der Kids haben überhaupt keine Orchestererfahrung“, erzählt Roberto Díaz. Ein Vorteil sei aber, dass der Klangkörper sehr schnell auf die Wünsche des jeweiligen Dirigenten eingehen und sich seinen Klangvorstellungen anpassen könne.

Díaz, bis 1984 Curtis-Student und seit 2000 Professor für Viola, setzt sich an seinem Institut für eine ganzheitlichere Ausbildung der Musikstudenten ein. „Die Studenten sollten bei uns sehr viel Zeit damit verbringen, Musik zu lesen und zu verstehen.“ Zwar seien die technischen Fähigkeiten vieler Bewerber um einen Studienplatz schon auf dem absoluten Höchstniveau. Im Studium selbst gelte es dann aber, individuelle Ideen von Phrasierung und Stil zu entwickeln. Dafür gibt das Institut den Studenten so viel kreativen Freiraum wie möglich. Unlängst wurde ein neues Gebäude zum Üben und Konzertieren eröffnet. „Ein wahres Paradies für die Musiker“, sagt auch Vogler.

In Dresden werden die Curtis-Studenten in der Frauenkirche, in der Messe und in der Gläsernen VW-Manufaktur musizieren. Dort absolvieren sie an diesem Donnerstag einen vierstündigen Kammermusik-Marathon und interpretieren abwechselnd neue und alte Werke: Wer bei den Konzerten genau hinsieht und hinhört, wird einige Instrumente der legendären Geigenbaumeister Guadagnini, Guarneri und Amati ausmachen. Curtis- Absolventen haben sie dem Institut vermacht. Auch das hält die Ausbildung auf Spitzenniveau lebendig.

© DNN-Online, 15.05.2012, 14:25 Uhr
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