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Girls’ Day und Boys’ Day in Dresden – Schüler sollen für untypische Berufe begeistert werden

Stephan Lohse

  • Am Girls' Day sollen Mädchen für Männerberufe begeistert werden.
    Foto: Stephan Lohse
    Am Girls' Day sollen Mädchen für Männerberufe begeistert werden.
Dresden. Erzieher, Altenpfleger, Grundschullehrer auf der einen, Physiker, Tischler oder Automechaniker auf der anderen Seite: Zahlreichen Berufen hängen noch immer feste Geschlechterrollen an. Diese sollen durch den jährlichen Girls’ Day und den Boys’ Day beseitigt werden. An diesem Tag sind Schüler aufgerufen, über den Tellerrand hinauszublicken. Dabei sind die Rollenbilder auch in den Köpfen der Schüler oft noch fest verankert. So wie bei Sara aus Dresden. Zwar probierte sich die 13-Jährige am Donnerstag auch bei den Physikern des Leibniz-Insitutes für Festkörper und Werkstoffforschung aus, ihr Berufswunsch ist aber ein anderer: Krankenschwester, Pflegerin oder Erzieherin lauten die Wünsche der Mittelschülerin. „Ich möchte etwas mit Menschen machen“, berichtet die Schülerin.
Genau für diese Berufe sollen sich aber Jungs begeistern. Martin, ein 14 Jahre alter Mittelschüler, der sich am Donnerstag im Dresdner Senioren-Wohnpark Elsa Fenske umsah, will aber nicht Pfleger werden. „Etwas mit Zahlen“, will er einmal machen. Altenpflege oder Kinderbetreuung, ihm wäre das „zu langweilig“, sagt er. Die 13-jähhrige Sara hingegen könnte sich durchaus vorstellen, auch einen handwerklichen Beruf zu lernen. „Hauptsache keinen reinen Bürojob“, meint sie. Ihr Mitschüler Arthur ist da schon eine Ausnahme: Er möchte einmal Erzieher werden. Die Akzeptanz unter den Mitschülern dafür sei da. Keiner werde schief angesehen, weil er einen angeblichen Frauenberuf lernen wollte. Arbeitnehmer berichten von Startschwierigkeiten Tatsächlich scheint es inzwischen akzeptiert zu sein, wenn Frauen Männerberufe ausüben. Der Einstieg sei aber noch immer schwer. „Betteln, betteln betteln“, so umschreibt Nadine Baldewig ihre suche nach einem Ausbildungsplatz. Denn die 24-Jährige lernt in einer echten Männerdomäne. Sie wird einmal Tischlerin. Es sei schwer gewesen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Kein Chef habe eine Frau als Lehrling einstellen wollen. Sie, die schon in der Schule immer viel Spaß am Werkunterricht hatte, sei inzwischen aber voll akzeptiert. Die Männer seien inzwischen manchmal sogar neidisch, berichtet sie stolz. Denn so mancher Handgriff erfordere viel Feingefühl und Geschicklichkeit. „Und das können wir Frauen besser“, lacht sie. Auch der Dresdner Altenpfleger Martin Hamann berichtet von kleinen Startschwierigkeiten. „Man muss halt seinen Mann stehen“, erinnert er sich an die ersten Monate der Ausbildung. Damals hätten die älteren weiblichen Kollegen bei ihm als jungen Mann etwas genauer hingesehen, als bei seinen Kolleginnen. Inzwischen sei er aber voll akzeptiert. Sowohl die Kolleginnen als auch die Patienten würden es schätzen, dass auch ein Mann mit dabei ist, sagt der 27-Jährige. Sowohl Martin Hamann als auch Tischlerin Nadine Baldewig sind nach eigener Aussage zufrieden mit ihrer Berufswahl. Weder im Freundeskreis noch in der Familie habe es je Vorbehalte gegeben. Rollenbilder sind weiter stark ausgeprägt Insgesamt sind die Rollenbilder aber weiter stark ausgeprägt. So ist von gut 5200 angehenden Krankenpflegern nur jeder Fünfte ein Mann, meldet das Statistische Landesamt. In den sächsischen Kitas gebe es fast ausschließlich Erzieherinnen. Bei den Jungs sind weiterhin Kraftfahrzeugmechatroniker, Zerspanungsmechaniker und Industriemechaniker die Top-Berufe. Bei Mädchen sind es Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Verkäuferin. Auch bei den bevorzugten Studienrichtungen gibt es weiter große Unterschiede. Während bei Männern noch immer Maschinenbau, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre die bevorzugten Fächer sind, bleiben es bei den weiblichen Studenten Betriebswirtschaftslehre, Medizin und Pädagogik. Für Sachsens Grüne sind die unterschiedlichen Berufswünsche auch ein Grund für die Lohnunterschiede. „Rund die Hälfte aller weiblichen Auszubildenden verteilt sich auf nur zehn von 360 möglichen Lehrberufen. Die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen arbeitet in fünf von insgesamt 87 Berufsgruppen. Das sind zugleich die Branchen mit den niedrigsten Löhnen“, erklärt die frauenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Elke Herrmann.

© DNN-Online, 26.04.2012, 13:50 Uhr
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