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Schlecker-Ausverkauf in Dresden beginnt am Freitag

Stefan Schramm

  • Alle drei Mitarbeiterinnen dieser Schleckerfiliale an der Könneritzstraße in der Wilsdruffer Vorstadt verlieren Ende Juni ihren Job.
    Foto: Stefan Schramm
    Alle drei Mitarbeiterinnen dieser Schleckerfiliale an der Könneritzstraße in der Wilsdruffer Vorstadt verlieren Ende Juni ihren Job.
Dresden. Ende Juni ist Schluss. Das wissen fast alle Dresdner -Mitarbeiterinnen nun definitiv. Am Montag erhielten die Filialen ein Fax, aus dem hervorgeht, dass schon am Freitag der Ausverkauf beginnen soll. Dann gibt es zunächst 30 Prozent Rabatt auf die meisten Waren. Erste Auswirkungen der bevorstehenden Schließungen sind indes schon spürbar. Einige Filialen nehmen keine Aufträge zur Entwicklung von Fotos mehr an.

Erhalten bleibt wohl nur der Schlecker-Markt am Hubertusplatz, der als XL-Filiale größer ist als die anderen Dresdner Filialen und offenbar von der Schlecker-Tochter „Ihr Platz" unter ihrem neuen Eigentümer, dem Münchener Investor Dubag, übernommen werden soll. „Auch umsatzstärkere Filialen wie die an der Königsbrücker Straße in der Äußeren Neustadt könnten weiterhin bestehen, falls ein Investor sie übernimmt", ergänzt Heike Flaxa, die bei der Gewerkschaft Verdi in Dresden für den Handel zuständig ist. Angaben über konkrete Pläne für die Dresdner Filialen hat der Insolvenzverwalter allerdings nicht gemacht. „Der Betriebsrat und Verdi werden die Abwicklung begleiten und dann wohl nur noch das Licht ausmachen", fürchtet Flaxa.


„Wenigstens wissen wir jetzt endlich, woran wir sind", sagt Brunhilde Niemann, die die Filiale an der Könneritzstraße in der Wilsdruffer Vorstadt leitet. Dort arbeiten drei Schlecker-Frauen, zwei davon stehen kurz vorm Rentenalter, eine Kollegin ist noch jünger. „Ich bin 59 Jahre alt, da macht man sich keine großen Hoffnungen auf einen neuen Job", berichtet Niemann. Ihren Angaben zufolge sollen die Beschäftigten ihr Gehalt noch für drei weitere Monate bis September beziehen und Überstunden ausbezahlt bekommen.

Seit 17 Jahren arbeitet Niemann bei Schlecker. „Die Firma hätte schon vor Jahren Insolvenz anmelden müssen", glaubt sie. Dann wäre es zwar zu tiefen Einschnitten gekommen, aber nach einer geordneten Übergabe des Firmengründers Anton Schlecker an seine Kinder sicher weitergegangen. Heute jedoch stehe man nach monatelanger Hängepartie vor dem Nichts. Im März hatte es eine erste Welle von Schließungen gegeben, der in Dresden 13 Filialen zum Opfer gefallen waren. Nun geht es den Übrigen an den Kragen.

  • Schlecker-Kunde Philipp Uhlig dürfte an der Filiale Oschatzer Straße in Dresden bald dauerhaft vor verschlossenen Türen stehen.
    Foto: Stefan Schramm
    Schlecker-Kunde Philipp Uhlig dürfte an der Filiale Oschatzer Straße in Dresden bald dauerhaft vor verschlossenen Türen stehen.
Dadurch verlieren fast alle Schleckerfrauen ihre Jobs. „In der ersten Welle hatten wir in Dresden 35 Betroffene, jetzt rechnen wir mit 50", so Grit Winkler, Sprecherin der Agentur für Arbeit Dresden. „Wir empfehlen, sich zeitnah arbeitssuchend zu melden". Besondere Maßnahmen des Arbeitsamtes werde es nicht geben, da „die normalen Instrumentarien genügen", so Winkler. Tatsächlich stehen offenbar nur wenige der damals entlassenen Mitarbeiterinnen wieder in Lohn und Brot. „Die Vermittlungsquote geht gegen null", sagt Jörg Lauenroth-Mago von Verdi. Den nun betroffenen Schleckerfrauen dürfte es kaum anders ergehen. „Wir haben die ganze Zeit gekämpft und jetzt das", ärgert sich eine Mitarbeiterin der Filiale Weinböhlaer Straße. „Aber es bringt ja nichts, heulend durch den Laden zu rennen. Das Leben geht weiter."

Das Unheil sahen einige der Angestellten schon länger auf sich zukommen. „Als ich im vergangenen Jahr gesagt habe, dass Schlecker bald den Bach runter geht, haben mich alle ausgelacht", sagt die Leiterin der Filiale an der Oschatzer Straße in Pieschen. Sie kennt die Abwicklung von Filialen aus ihrer Zeit bei der Supermarktkette Kaiser‘s und kritisierte die Informationspolitik ihres jetzigen Arbeitgebers. „Wir haben meistens von unseren Kunden erfahren, was bei Schlecker so passiert." Nun sei „der Keks gegessen". Außerdem monierte sie die mangelhafte Ausstattung. „Als ich bei Schlecker anfing, fühlte ich mich ins vorige Jahrhundert zurückversetzt, da es nicht mal einen Computer gab."

„Es ist schade, dass der Laden nun schließen muss", sagt Philipp Uhlig, der ein paar Straßen weiter wohnt und ab und zu in der Filiale an der „Oschatzer" einkaufen war. „Für die Angestellten tut es mir leid", ergänzt Schlecker-Kundin Sandra Büchner, „aber bei den Preisen wundert mich die Pleite nicht." Um ihre derzeitige Gefühlslage nach monatelangem vergeblichem Einsatz für die Schleckerfrauen kurz und knapp zu beschreiben, gebrauchte die Dresdner Betriebsrätin Jeanette Palme am Montag ein nicht druckreifes Wort. Und sie kündigte an: „Auf einer Versammlung von Betriebsräten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Donnerstag in Dresden werden wir über unser weiteres Vorgehen beraten."

© DNN-Online, 04.06.2012, 21:20 Uhr
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