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Neumarkt-Streit: Stadtrat entscheidet über Ex-Gewandhausareal

Ralf Redemund

Bebauen oder nicht? Ein vorzeitiges Ende der Debatte um das frühere Gewandhausareal im Quartier VI am Dresdner Neumarkt steht am Donnerstag bevor. Wenn die Absprachen halten, werden CDU, FDP und Bürgerfraktion beschließen, dass der Platz ein für allemal frei von Bebauung bleibt und begrünt wird, möglicherweise ausgestattet mit Pavillon, Brunnen und Bäumen. Dadurch gehen der Stadtkasse rund 2,5 Millionen Euro Verkaufserlöse verloren, kritisiert Axel Bergmann (SPD).
"Alle Meinungen sind ausgetauscht, alles ist dazu gesagt worden. Die Mehrheit der Dresdner will hier keine Bebauung", begründete Christoph Hille (Bürgerfraktion), warum sich seine Fraktion dem Antrag von CDU und FDP anschließt, einen Schlussstrich zu ziehen. Bislang gilt ein Moratoriumsbeschluss von April 2008. Auf FDP-Antrag beschloss eine Mehrheit, sich zehn Jahre Nachdenkzeit zu nehmen und das Areal nicht zu bebauen. Die Folge: Auch beim Nachbar-Areal ruht still der See. Der Investor Kondor Wessels baut hier nicht, weil er nicht weiß, ob seine Häuser Front bleiben oder irgendwann in die zweite Reihe rücken.

  • Frei lassen und begrünen oder die Häuserfront in Richtung Frauenkirche ziehen?
    Foto: Andreas Hummel/GHND
    Frei lassen und begrünen oder die Häuserfront in Richtung Frauenkirche ziehen?
"Der Denkprozess war nicht abgeschlossen", findet André Schollbach (Linke). Seine Fraktion plädiert für Vertagung. Zumindest solange, bis die von der OB angestoßene Dresdner Debatte über den Neumarkt, die vom 8. Juni bis 8. Juli läuft, abgeschlossen ist. Nur: Die zielt eben nicht auf das Gewandhausgrundstück ab. Das hätten die Linken gerne. Doch dem schiebt die bürgerliche Mehrheit heute einen Riegel vor. "Das bringt keinen Frieden in die Debatte", glaubt Schollbach. Der Bürger werde nicht ernst genommen. Der CDU/FDP-Antrag schließe einen Bau ja auch nicht gänzlich aus. Man könnte ja über eine Verkleinerung beraten, so der Linke.

"Die Kritik am Postplatz speist sich doch aus der Weite des Platzes", so SPD-Rat Bergmann. Die Bebauung des Ex-Gewandhaus-Areals mache den Neumarkt maßstäblicher, angenehmer, lebendiger, der Platz werde besser strukturiert, so der Genosse. Zudem drohe die Rückforderung von 500000 Euro durch den Investor für die archäologischen Grabungen und den Architekturwettbewerb, glaubt Bergmann. Eine zeitgenössische Bebauung dürfe es nicht geben. Aber warum nicht Bürgerhäuser?, fragt Bergmann. Damit hat der SPD-Rat die Stadt und die Gestaltungskommission Kulturhistorisches Zentrum auf seiner Seite, nicht aber die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND).


© DNN-Online, 03.06.2010, 12:01 Uhr
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