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Deutlich mehr als nur Bauchtanz
Die Sünde lauert - Moralapostel wissen das - wahrlich überall. Gern auch zwischen zwei Buchdeckeln, wie jener Frömmler in Ägypten erfahren musste, der im reiferen Alter zu den "Erzählungen aus 1001 Nacht" griff, auf anstößige Stellen stieß - und nun zusammen mit anderen Fundi-Anwälten dieses Kleinod arabischer Volksliteratur wegen Anrüchigkeit im Land am Nil verbieten lassen will.
Ob diesen Anstands-Advocaten, die sich - was für ein Witz - "Rechtsanwälte ohne Fesseln" nennen, der Showabend "Magischer Orient" im Theater Wechselbad gefallen hätte? Mit ziemlicher Sicherheit nicht! Denn auch hier hat die Sache, und das nicht nur wegen der viel Haut zeigenden Kostüme, einen gewissen erotischen Reizwert.
Zwar kamen Traditionalisten durchaus auf ihre Kosten (etwa als Lina aus "Leipzsch" zu einem Klassiker der legendären ägyptischen Sängerin Oum Kulsum tanzte, oder Omar Jamil eine Mischung aus syrischem Volks- und Beduinentanz aufs Parkett legte), vorzugsweise wurde allerdings moderne orientalische Tanzkunst geboten. Die Betonung liegt auf "modern". Der gute alte Bauchtanz, der so mancher "hafla" (der Begriff steht für Veranstaltung, Konzert, Feier) im Orient erst die richtige Würze verleiht, war des öfteren kaum wiederzuerkennen. Frank und frei wurde der Belly Dance mit Hiphop gekreuzt, mit Samba vermengt, mit Swing gepaart... Ja, für Anima und Sandy (eine der beiden hatte sich wie jene Frauen, die in dem Monty Python-Film "Das Leben des Brian" unbedingt bei einer Weibsvolk eigentlich verbotenen Steinigung dabei sein wollen, einen Bart angeklebt) war der Bauchtanz gar die Grundlage für eine Bollywood-Komödie, die "Beziehungsstress auf Indisch" vermittelte.
Veranstaltet wurde der im Großen und Ganzen runde und mitreißende Abend von Franka Baddura, die es mit ihrer Tanzkunst immerhin schon zu "Vize-Miss-Bellydance of Europe"-Ehren brachte. Ob bei einem dem Verschleierungsverbot jederzeit Folge leistenden sinnlichen Tanz mit zwei Schleiern oder einer unorthodoxen, im Saal aber Beifallsstürme auslösenden "Hiphop Oriental Fusion" zusammen mit Johannes Schuchhardt: Sie versteht ihr "Handwerk". Folgerichtig gibt Baddura in einem "Atelier für Tanz und Bewegung" auch entsprechend Kurse in punkto orientalischen Tanz. Etliche Schülerinnen durften an diesem Orient-Abend natürlich zeigen, dass sie beim Erlernen des orientalischen Tanzes sich nicht nur nie zu verachtende körperliche Fitness zugelegt, sondern auch schon beachtliches Gefühl für Hüft- und Po-Wackler erworben haben. Die Musik kam größtenteils vom Band, nur Anima sorgte bei zwei Tänzen für eine die Puls- und Fußwippfrequenz steigernde Rhythmusbegleitung auf Darabuka beziehungsweise Djembe. Von der Technik eingespeist wurden auch die Ansagen, wobei die Kitsch- und Schwulstgrenze bei manchen Sentenzen ("in ihren Augen glänzt magisches Licht") für meinen Geschmack gelegentlich schon arg überschritten wurde.
Ergänzendes Show-Element war der faszinierende Auftritt von Beatritsche, die mit ihrem Körper eindeutig Besseres anzufangen weiß als der vom Fernsehen her bekannte Ditsche. Sie pflegt die Kunst der Kontaktjonglage. Zwar flog ihr eine Kristallkugel dann doch mal runter, aber nichtsdestotrotz dürften sogar all jene aus dem Staunen nicht herausgekommen sein, die beim Abwaschen noch nie ein Glas oder einen Teller zerteppert haben (viele werden das wohl nicht sein).
Der glanzvolle Höhepunkt des Abends war jedoch, tut mir leid, liebe Frauen, der Auftritt eines Mannes: Horacio Cifuentes. Er "stahl" - zur Verblüffung wohl auch der zumindest einen ge-wissen Prozentsatz der Zuschauerschaft stellenden Kerle im Saal - allen anderen die Show, egal ob nun seiner Partnerin Beata, Baddura oder welcher sich anmutig bewegenden Schönheit auch immer. Der Bauch, der eigentlich keiner ist, sondern ein Muskelpaket, war ständig in Bewegung. Einrollen. Wippen. Zittern. Magie pur. Ganz so wie es versprochen worden war.
Veranstaltet wurde der im Großen und Ganzen runde und mitreißende Abend von Franka Baddura, die es mit ihrer Tanzkunst immerhin schon zu "Vize-Miss-Bellydance of Europe"-Ehren brachte. Ob bei einem dem Verschleierungsverbot jederzeit Folge leistenden sinnlichen Tanz mit zwei Schleiern oder einer unorthodoxen, im Saal aber Beifallsstürme auslösenden "Hiphop Oriental Fusion" zusammen mit Johannes Schuchhardt: Sie versteht ihr "Handwerk". Folgerichtig gibt Baddura in einem "Atelier für Tanz und Bewegung" auch entsprechend Kurse in punkto orientalischen Tanz. Etliche Schülerinnen durften an diesem Orient-Abend natürlich zeigen, dass sie beim Erlernen des orientalischen Tanzes sich nicht nur nie zu verachtende körperliche Fitness zugelegt, sondern auch schon beachtliches Gefühl für Hüft- und Po-Wackler erworben haben. Die Musik kam größtenteils vom Band, nur Anima sorgte bei zwei Tänzen für eine die Puls- und Fußwippfrequenz steigernde Rhythmusbegleitung auf Darabuka beziehungsweise Djembe. Von der Technik eingespeist wurden auch die Ansagen, wobei die Kitsch- und Schwulstgrenze bei manchen Sentenzen ("in ihren Augen glänzt magisches Licht") für meinen Geschmack gelegentlich schon arg überschritten wurde.
Ergänzendes Show-Element war der faszinierende Auftritt von Beatritsche, die mit ihrem Körper eindeutig Besseres anzufangen weiß als der vom Fernsehen her bekannte Ditsche. Sie pflegt die Kunst der Kontaktjonglage. Zwar flog ihr eine Kristallkugel dann doch mal runter, aber nichtsdestotrotz dürften sogar all jene aus dem Staunen nicht herausgekommen sein, die beim Abwaschen noch nie ein Glas oder einen Teller zerteppert haben (viele werden das wohl nicht sein).
Der glanzvolle Höhepunkt des Abends war jedoch, tut mir leid, liebe Frauen, der Auftritt eines Mannes: Horacio Cifuentes. Er "stahl" - zur Verblüffung wohl auch der zumindest einen ge-wissen Prozentsatz der Zuschauerschaft stellenden Kerle im Saal - allen anderen die Show, egal ob nun seiner Partnerin Beata, Baddura oder welcher sich anmutig bewegenden Schönheit auch immer. Der Bauch, der eigentlich keiner ist, sondern ein Muskelpaket, war ständig in Bewegung. Einrollen. Wippen. Zittern. Magie pur. Ganz so wie es versprochen worden war.
© DNN-Online, 09.06.2010, 10:27 Uhr
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