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Michael Sanderling: Ich bin als Dirigent ein Wir-Mensch
Dresden. Für Dirigent Michael Sanderling (44) sind die Zeiten der Despoten mit Taktstock endgültig vorbei. „Ich bin gänzlich gegen die Despotie, ich bin aber sehr für die Überzeugung", sagte der neue Chefdirigent der Dresdner Philharmonie am Freitag vor dem Saisonauftakt im Gespräch. Es sei völlig kontraproduktiv, wenn ein Orchester Angst vor seinem Chef entwickle. „Ich bin ein Mensch, der auch Ratschläge annimmt. In dem Maße, wie das der Beruf erlaubt, bin ich ein Wir-Mensch." Sanderling tritt an diesem Wochenende sein Amt als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie an. Er folgt damit Rafael Frühbeck des Burgos. Nach Ansicht von Sanderling hat das neue Rollenverständnis auch etwas mit der Qualität und dem Selbstverständnis heutiger Musiker zu tun. „Ihre Ausbildung ist im Vergleich zu früher sehr viel besser. Ein Dirigent arbeitet heute mit fantastisch ausgebildeten Gleichgesinnten auf Augenhöhe. Das einzige, was ihn ausmacht: Er sollte das aussprechen, was alle denken", erklärte der gebürtige Berliner und Sohn von Dirigenten-Legende Kurt Sanderling (98). Er selbst setze darauf, gemeinsam mit dem Orchester Qualitäten, Chancen und Potenziale herauszufinden. Als früherer Orchestermusiker und Cellist, der international Karriere machte, kennt Sanderling die andere Perspektive: „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass ein Orchester es gern hat, wenn der Dirigent mit einer klaren Vorstellung kommt." Genauso wichtig sei es, dass er den Musikern den Weg zur Umsetzung seines musikalischen Ideals zeige. „Es gibt Dirigenten, die nur eine der beiden Anforderungen verkörpern. Ich habe zu wenige kennengelernt, die beides vereinten." Präsenz am Arbeitsort hält Sanderling bei einer Chefstelle für unausweichlich. „Ich will als Chef kein Gast sein." Deshalb habe er in Dresden auch eine Wohnung genommen. Der oft beschworene „Gleichklang" vieler Orchester in einer globalisierten Musikwelt lässt sich nach Ansicht von Sanderling nur mit einer konsequenten Traditionspflege aufhalten. Das heiße nicht, dass man keine Musiker aus anderen Kulturkreisen in das Orchester lässt. „Man muss sich aber bewusst machen, welche Qualitäten es gibt, wie sie entstanden sind und wie man sie spielpraktisch weitergeben kann." Eine Orchesterakademie, die junge Musiker gezielt auf ihren späteren Einsatz vorbereite, sei dafür eine ideale Möglichkeit. Leider gebe es momentan bei der Dresdner Philharmonie keinen finanziellen Spielraum, um die Akademie mit Leben zu erfüllen
© DNN-Online, 26.08.2011, 12:02 Uhr
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