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Tausende gehen in Dresden gegen Sozialabbau auf die Straße
Dresden. Sachsens Landtag hat die größte Protestkundgebung seit Wiedergründung des Freistaates im Jahr 1990 erlebt. Denn noch nie war der für 8000 Menschen zugelassene Platz vor dem Parlamentsgebäude wirklich voll. Am Mittwoch strömten etwa 10 000 Leute auf das Gelände, um gegen Kürzungen bei Bildung, Sozialem und Kultur zum demonstrieren. Der Landtag selbst war abgeriegelt. Immer wieder kamen jedoch Abgeordnete verschiedener Fraktionen aus dem Saal und schauten fast ungläubig auf die Menge. Ein Großplakat drückte den Unwillen vieler aus: „Tillich - mach’ den Koch“.
Zumindest bei den Demonstranten vor dem Parlament galt Tillich am Mittwoch als Auslaufmodell. Dass er an diesem Tag ein Bad in der Menge nehmen würde, hatte ohnehin keiner erwartet - auch wenn ihn Linken-Fraktionschef André Hahn aufforderte, den Leuten doch selbst den Sparkurs in Milliardenhöhe zu erläutern. Tillich blieb in Deckung, für eine spätere Diskussionsrunde wurde der 34 Jahre alte Sozialpolitiker Alexander Krauß vorgeschickt. Natürlich kam er nicht nur mit Beifall davon. Viele zollten ihm aber auch Respekt.
Wie bei einem Sternmarsch hatten sich am Nachmittag drei Protestzüge durch Dresdens Innenstadt bewegt und den Verkehr lahmgelegt. Beim Finale vor dem Landtag traten dann Vertreter eine breiten Bündnisses auf die Bühne, das sich unlängst in der Räumen der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit (EHS) gegründet hatte. An der EHS galt die Demo als „Lehrveranstaltung“. Die Dozenten waren aufgefordert, mit ihren Seminargruppen zur Kundgebung zu gehen. „An der Basis gärt es enorm. Wir sehen die Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhalts in Gefahr“, sagte Michael Moschke, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften.
„Wir sind hier, wir sind laut - weil man uns die Bildung klaut“, skandierte der Protestzug der Studenten. An dessen Spitze wurde eine Guillotine aus Holz und Pappe getragen. Das Fallbeil trug die Aufschrift „Bei den Richtigen kürzen“ - der einzige etwas radikalere Ansatz an diesem Tag. Die Organisatoren hatten ohnehin nicht damit gerechnet, dass es in Dresden zu Gewaltexzessen wie jüngst in Berlin kommen könnte. Schließlich lief auch die Gewerkschaft der Polizei beim Protestmarsch mit - auf Seiten der Demonstranten.
Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie, erinnerte an das Motto eines der letzten evangelischen Kirchentage in der DDR: „Umkehr führt weiter“. „Kehren Sie um, weg von einer Sparpolitik auf Kosten der Schwachen“, rief Schönfeld wie ein Prediger in Richtung Parlament. Dort wirbt seit Monaten ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Hier bestimmen Sie!“ für die Demokratie. Wenn es nach Schönfeld geht, ist dafür mehr Rückgrat erforderlich. „Zeigen Sie Haltung. Die Demokratie lebt von Menschen, die Haltung zeigen.“
Zumindest bei den Demonstranten vor dem Parlament galt Tillich am Mittwoch als Auslaufmodell. Dass er an diesem Tag ein Bad in der Menge nehmen würde, hatte ohnehin keiner erwartet - auch wenn ihn Linken-Fraktionschef André Hahn aufforderte, den Leuten doch selbst den Sparkurs in Milliardenhöhe zu erläutern. Tillich blieb in Deckung, für eine spätere Diskussionsrunde wurde der 34 Jahre alte Sozialpolitiker Alexander Krauß vorgeschickt. Natürlich kam er nicht nur mit Beifall davon. Viele zollten ihm aber auch Respekt.
Wie bei einem Sternmarsch hatten sich am Nachmittag drei Protestzüge durch Dresdens Innenstadt bewegt und den Verkehr lahmgelegt. Beim Finale vor dem Landtag traten dann Vertreter eine breiten Bündnisses auf die Bühne, das sich unlängst in der Räumen der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit (EHS) gegründet hatte. An der EHS galt die Demo als „Lehrveranstaltung“. Die Dozenten waren aufgefordert, mit ihren Seminargruppen zur Kundgebung zu gehen. „An der Basis gärt es enorm. Wir sehen die Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhalts in Gefahr“, sagte Michael Moschke, Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften.
„Wir sind hier, wir sind laut - weil man uns die Bildung klaut“, skandierte der Protestzug der Studenten. An dessen Spitze wurde eine Guillotine aus Holz und Pappe getragen. Das Fallbeil trug die Aufschrift „Bei den Richtigen kürzen“ - der einzige etwas radikalere Ansatz an diesem Tag. Die Organisatoren hatten ohnehin nicht damit gerechnet, dass es in Dresden zu Gewaltexzessen wie jüngst in Berlin kommen könnte. Schließlich lief auch die Gewerkschaft der Polizei beim Protestmarsch mit - auf Seiten der Demonstranten.
Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie, erinnerte an das Motto eines der letzten evangelischen Kirchentage in der DDR: „Umkehr führt weiter“. „Kehren Sie um, weg von einer Sparpolitik auf Kosten der Schwachen“, rief Schönfeld wie ein Prediger in Richtung Parlament. Dort wirbt seit Monaten ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Hier bestimmen Sie!“ für die Demokratie. Wenn es nach Schönfeld geht, ist dafür mehr Rückgrat erforderlich. „Zeigen Sie Haltung. Die Demokratie lebt von Menschen, die Haltung zeigen.“
© DNN-Online, 16.06.2010, 16:04 Uhr
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