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Erinnerung an ermordete Ägypterin in Dresden

dpa

Dresden. Ein Jahr nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El- Sherbini hat Sachsen am Donnerstag mit einer Gedenkfeier und einer Kundgebung in Dresden an die fremdenfeindliche Tat erinnert. Dabei gedachten rund 400 Menschen in Schweigeminuten der Getöteten und ihrer Angehörigen. Am damaligen Tatort im Landgericht wurde am Vormittag eine Gedenktafel für das Opfer enthüllt. „Die Tat hat uns alle schockiert und einen dunklen Schatten auf die Justiz und auf Deutschland geworfen“, sagte Justizminister Jürgen Martens (FDP). Zu der Feierstunde waren auch Vertreter des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZDM) gekommen. Viele Menschen legten weiße Rosen nieder.

Neben Aufrufen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gab es bei der Kundgebung am Rathaus auch kritische Töne in Richtung Politik. ZDM-Generalsekretär Aiman Mazyek kritisierte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nur kondoliert habe. Sie hätte deutlich machen müssen, „Ihr Muslime gehört in unser Land, wir gehören zu Euch, und den Rassismus bekämpfen wir gemeinsam“. Die 4,3 Millionen Muslime in Deutschland warteten auf solch eine Geste. El-Sherbini sei gestorben, „weil wir Islamfeindlichkeit ignorieren und uns an Alltagsrassismus gewöhnt haben“. Diese „unverzeihliche und hasserfüllte Tat“ dürfe sich nie wiederholen, sagte ein Vertreter der ägyptischen Botschaft. „Der tragische Tod von Marwa El-Sherbini verdeutlicht die Wichtigkeit von Integration und Dialog zwischen den Kulturen.“


Die 31-jährige El-Sherbini hatte am 1. Juli 2009 bei einer Berufungsverhandlung als Zeugin ausgesagt. Die Schwangere war dann noch im Gerichtssaal vom Angeklagten mit zahlreichen Messerstichen getötet worden. Alex W. verletzte ihren Mann lebensgefährlich. Der Zellbiologe wurde mit einer Notoperation gerettet. Er wird sein Leben lang an den Folgen leiden, sagte Nabil Yacoub vom Migrationsrat. Die Tat hatte Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Der Täter, ein Russlanddeutscher, wurde im November 2009 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Verbrechen habe Menschen in Dresden, in Deutschland und der ganzen Welt erschüttert, sagte Justizminister Martens. Die Tat sei nicht nur ein Angriff auf eine wehrlose junge Frau gewesen, sondern gegen eine Frau muslimischen Glaubens. „Der Mord an Marwa El-Sherbini war ein Anschlag auf die gesamte Gesellschaft.“ Trauer, Entsetzen und Scham reichten nicht aus, so Martens. Die Bürger müssten „unsere Freiheit und die Freiheit der anderen“ gegen Hass und Verblendung verteidigen - „jederzeit und überall“.

In Dresden lebende Muslime setzten ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, für Toleranz und Weltoffenheit: Ein Verein baue ein Kultur- und Bildungszentrum mit dem Namen Marwa El-Sherbini. Auf die Bemühungen der Stadt um Integration verwies Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Für Ausländer tätige Vereine sind dennoch unzufrieden. „Ein Jahr danach hat sich nicht viel geändert“, resümierte Sebastian Vogel vom Ausländerrat


© DNN-Online, 01.07.2010, 13:15 Uhr
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