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Kultur
Jahresausstellung der Dresdner Hochschule für Bildende Künste lädt bis Sonntag ein
Dresden. Flüchtig ist die Zeit, schon wieder ist auch ein Studienjahr an der Hochschule für Bildende Künste fast vorüber. "Flüchtig" auch die Kunst. Wie in den letzten Jahren eingebürgert, liefert die Jahresausstellung der Studierenden ein kurzes Vorspiel für die Diplomausstellung, die am Donnerstagabend im Oktogon eröffnet wird, und endet bereits am Sonntag. Momentaufnahmen im doppelten Sinn, denn Zwischenstadien im Studium, aus der Phase des spielerischen Aneignens und Experimentierens, wecken zwar mancherlei Hoffnungen und Erwartungen, werden aber selten zu Fixpunkten von Künstlerbiografien.
Das Ereignis, die Performance, die Inszenierung ist oftmals wichtiger als eine ausgestellte Arbeit, und alles, was zu viel Volumen beansprucht, hat da eh kaum eine Chance, den ersten großen Umzug zu überstehen. Gerade auf der Pfotenhauerstraße, wo man mit Plastik, Bildhauerei, Skulptur der Tradition nach eher das Dauernde oder doch die Entwürfe dafür vermuten würde, herrscht folglich das Temporäre vor, Kunst des Provisorischen, nicht Konservierbaren, Prozesshaften. Den kürzesten hat Stephanie Lünig gemacht und drei Eimer mit gefrorener verdünnter Druckerfarbe umgestülpt.
Die spontane Mischung und das Aufwischen sind ihre Performance. Das ist nicht übermäßig originell, steht aber für den unbekümmerten Geist des "Vermischens", der hier regiert: zwischen Stilen und Genres, Methoden und Materialien. Da dominieren "unedle" organische, synthetische, trashige, aber auch das Sperrige, Widerständige ist beliebt. Man kolportiert, inszeniert und ironisiert alles in ein buntes Chaos, in eine Art Panoptikum aus Tierischem und Menschlichem. Letzten Endes geht es (nur?) darum, mit Kunst gut und in gewissem Sinn vernünftig zu leben, was unter Studenten zweifellos noch gut funktioniert, aber am Ende besteht schließlich nur, was in der Buntheit auffällt, und das ist neben dem Originellen eher das Gediegene.
Manchmal kommt beides mit etwas Witz zusammen, wie etwa bei Jonas Lewerk, der "10 Fragmente von Werken namhafter Künstler, welche aus Museen und Institutionen entwendet wurden" in feinen Vitrinen präsentiert, etwa ein winziges Stück "Latexgummi, mit Baumwolle verstärkt", angeblich entwendet am 13. März im Kunstmuseum Basel, oder eine kleine Schraubenfeder, die er ganz in der Nähe im Museum Tinguely gestohlen haben will.
Skurril das Damenfahrrad mit herzförmigen Rädern von Rose Grafe, unverblümt die "Anleihe" bei Gerhard Richter von Matti Schulz, der in seiner Elbe-Trilogie u.a. leere Bierflaschen in trüber Brühe schwimmen lässt, freundlich-naiv das Angebot von Nadine Deutschmann, die an ihrem Verkaufsstand 88 Abstrakta von Abenteuer über Hoffnung bis Zweifel für je 2,99 anbietet. Richtig monumental dagegen wirkt die Rauminstallation "What A Wonderful World" von Saeed Foroghi, durch deren farbige Folien der Blick zu expressiven Zeichnungen durchdringen kann.
Auf der Brühlschen Terrasse funktioniert die "Durchdringung" etwas anders, hier wird nicht so wohlfeil mit Ideen gehandelt. Zwar gibt sich auch hier vieles multimedial und das Diktat des Zweidimensionalen ist längst gebrochen, doch riecht es noch immer nach Terpentin, muss man sich mit Bildwelten auseinandersetzen, die sich nicht so spontan öffnen.
Dafür erscheint alles ein wenig geordneter und damit scheinbar auch "ernsthafter". Was wohl auch daran liegt, dass es neben dem offiziellen großen Rundgang, der von den Professoren kuratiert wurde, noch eine von Studenten inszenierte Ausstellung im 2. Stock gibt, wo vieles etwas ungebärdiger und ruppiger, aber nur vielleicht auch unfertiger erscheint. Da stellt sich die Frage, ob ein Wort wie "unakademisch" heute überhaupt einen Sinn hat - und wenn ja, welchen.
Was sich insgesamt bietet, ist eine schwer überschaubare Zahl von Namen und Arbeiten in einer Vielfalt, die sich kaum auf einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen (Lehrer-Schüler) zurückführen lässt.
Es gibt die selbstbewusste, fröhliche, bedeutungsschwanger irritierende Selbstdarstellung der Harlekine SUTTER/SCHRAMM, die aber in Wahrheit ein ganz solides und subtiles Programm von Bild- und Raumerfindungen liefern, es gibt Nonsens wie die riesige aufblasbare Pistole von Nina Engel, manch rätselhafte Konstruktionen aus gespannten Seilen und farbigen Stoffen, es gibt gelegentlich ganz stille, tonige Bilder wie die anonym im Durchgang zum Feldbauer-Atelier präsentierten Stadtlandschaften, es finden sich vitale freie Farbkompositionen wie die von Winie Louise Seifert, ganz eigene Handschriften wie die absurden Szenerien von Alexandra Müller.
Deutliche Beeinflussung durch starke Vorbilder wie die Zeichnerin Elke Hopfe muss keine einseitige Prägung bedeuten, wie die Kollektion von Carolin Israel zeigt. Es dominieren eher spielerisch kleinteilige theatralische Angebote, märchenhafte, surreale bis bedrohliche Bilder, weniger das stark Verinnerlichte. Das betont Pop-Artige würde man fast vergeblich suchen, wären da nicht die mit "Aufklebern" versehenen Textilien von Ella Becker oder ein Comictagebuch von Katja Klengel.
Man ist sich anscheinend bewusst, in einer komplizierten Zeit zu leben und sucht Antworten, auf die Fragen die sie stellt. Das geschieht vor allem hintergründig, auch durch Flucht in bzw. Konstruktion von Parallelwelten, aber ganz vordergründig kommt es wohl auch darauf an, sich - bei dieser Fülle von Namen - mit Studienabschluss in einer guten Position zu zeigen.
Bis 25. Juli, Pfotenhauertraße 81/83 und Brühlsche Terrasse während der Studienzeiten. Eröffnung der Diplomausstellung im Oktogon heute, 19 Uhr.
Das Ereignis, die Performance, die Inszenierung ist oftmals wichtiger als eine ausgestellte Arbeit, und alles, was zu viel Volumen beansprucht, hat da eh kaum eine Chance, den ersten großen Umzug zu überstehen. Gerade auf der Pfotenhauerstraße, wo man mit Plastik, Bildhauerei, Skulptur der Tradition nach eher das Dauernde oder doch die Entwürfe dafür vermuten würde, herrscht folglich das Temporäre vor, Kunst des Provisorischen, nicht Konservierbaren, Prozesshaften. Den kürzesten hat Stephanie Lünig gemacht und drei Eimer mit gefrorener verdünnter Druckerfarbe umgestülpt.
Die spontane Mischung und das Aufwischen sind ihre Performance. Das ist nicht übermäßig originell, steht aber für den unbekümmerten Geist des "Vermischens", der hier regiert: zwischen Stilen und Genres, Methoden und Materialien. Da dominieren "unedle" organische, synthetische, trashige, aber auch das Sperrige, Widerständige ist beliebt. Man kolportiert, inszeniert und ironisiert alles in ein buntes Chaos, in eine Art Panoptikum aus Tierischem und Menschlichem. Letzten Endes geht es (nur?) darum, mit Kunst gut und in gewissem Sinn vernünftig zu leben, was unter Studenten zweifellos noch gut funktioniert, aber am Ende besteht schließlich nur, was in der Buntheit auffällt, und das ist neben dem Originellen eher das Gediegene.
Manchmal kommt beides mit etwas Witz zusammen, wie etwa bei Jonas Lewerk, der "10 Fragmente von Werken namhafter Künstler, welche aus Museen und Institutionen entwendet wurden" in feinen Vitrinen präsentiert, etwa ein winziges Stück "Latexgummi, mit Baumwolle verstärkt", angeblich entwendet am 13. März im Kunstmuseum Basel, oder eine kleine Schraubenfeder, die er ganz in der Nähe im Museum Tinguely gestohlen haben will.
Skurril das Damenfahrrad mit herzförmigen Rädern von Rose Grafe, unverblümt die "Anleihe" bei Gerhard Richter von Matti Schulz, der in seiner Elbe-Trilogie u.a. leere Bierflaschen in trüber Brühe schwimmen lässt, freundlich-naiv das Angebot von Nadine Deutschmann, die an ihrem Verkaufsstand 88 Abstrakta von Abenteuer über Hoffnung bis Zweifel für je 2,99 anbietet. Richtig monumental dagegen wirkt die Rauminstallation "What A Wonderful World" von Saeed Foroghi, durch deren farbige Folien der Blick zu expressiven Zeichnungen durchdringen kann.
Auf der Brühlschen Terrasse funktioniert die "Durchdringung" etwas anders, hier wird nicht so wohlfeil mit Ideen gehandelt. Zwar gibt sich auch hier vieles multimedial und das Diktat des Zweidimensionalen ist längst gebrochen, doch riecht es noch immer nach Terpentin, muss man sich mit Bildwelten auseinandersetzen, die sich nicht so spontan öffnen.
Dafür erscheint alles ein wenig geordneter und damit scheinbar auch "ernsthafter". Was wohl auch daran liegt, dass es neben dem offiziellen großen Rundgang, der von den Professoren kuratiert wurde, noch eine von Studenten inszenierte Ausstellung im 2. Stock gibt, wo vieles etwas ungebärdiger und ruppiger, aber nur vielleicht auch unfertiger erscheint. Da stellt sich die Frage, ob ein Wort wie "unakademisch" heute überhaupt einen Sinn hat - und wenn ja, welchen.
Was sich insgesamt bietet, ist eine schwer überschaubare Zahl von Namen und Arbeiten in einer Vielfalt, die sich kaum auf einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen (Lehrer-Schüler) zurückführen lässt.
Es gibt die selbstbewusste, fröhliche, bedeutungsschwanger irritierende Selbstdarstellung der Harlekine SUTTER/SCHRAMM, die aber in Wahrheit ein ganz solides und subtiles Programm von Bild- und Raumerfindungen liefern, es gibt Nonsens wie die riesige aufblasbare Pistole von Nina Engel, manch rätselhafte Konstruktionen aus gespannten Seilen und farbigen Stoffen, es gibt gelegentlich ganz stille, tonige Bilder wie die anonym im Durchgang zum Feldbauer-Atelier präsentierten Stadtlandschaften, es finden sich vitale freie Farbkompositionen wie die von Winie Louise Seifert, ganz eigene Handschriften wie die absurden Szenerien von Alexandra Müller.
Deutliche Beeinflussung durch starke Vorbilder wie die Zeichnerin Elke Hopfe muss keine einseitige Prägung bedeuten, wie die Kollektion von Carolin Israel zeigt. Es dominieren eher spielerisch kleinteilige theatralische Angebote, märchenhafte, surreale bis bedrohliche Bilder, weniger das stark Verinnerlichte. Das betont Pop-Artige würde man fast vergeblich suchen, wären da nicht die mit "Aufklebern" versehenen Textilien von Ella Becker oder ein Comictagebuch von Katja Klengel.
Man ist sich anscheinend bewusst, in einer komplizierten Zeit zu leben und sucht Antworten, auf die Fragen die sie stellt. Das geschieht vor allem hintergründig, auch durch Flucht in bzw. Konstruktion von Parallelwelten, aber ganz vordergründig kommt es wohl auch darauf an, sich - bei dieser Fülle von Namen - mit Studienabschluss in einer guten Position zu zeigen.
Bis 25. Juli, Pfotenhauertraße 81/83 und Brühlsche Terrasse während der Studienzeiten. Eröffnung der Diplomausstellung im Oktogon heute, 19 Uhr.
© DNN-Online, 22.07.2010, 09:11 Uhr
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