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Fast 10 000 Wohnungen seit der Wende in Dresden abgerissen

Christoph Stephan

  • Foto: Hendrik Schmidt
Im Gegensatz zu anderen ostdeutschen Städten wie Hoyerswerda haben die Abrissbirnen in Dresden in den vergangenen Jahren nur vereinzelt zugeschlagen. Die Parole „Wiese statt Beton" galt aber trotzdem in einigen Stadtteilen. Nach Angaben der Verwaltung im Rathaus ließ die Stadt von 1991 bis 2002 insgesamt 2900 Wohnungen vom Markt nehmen. Mit Blick auf den gesamten Bestand entsprach das einem jährlichen Rückgang von weniger als 0,2 Prozent. Das änderte sich 2003 schlagartig. Bis 2008 wurden mit rund 5600 Wohnungen in nur sechs Jahren fast doppelt so viele Wohnungen abgerissen. Hintergrund war die Förderung durch das Programm „Stadtumbau Ost".

Besonders oft war die Abrissbirne in Prohlis und Gorbitz (zusammen 2602 Wohnungen weniger) sowie in Reick, Johannstadt, Leuben, Zschertnitz und Seidnitz im Einsatz. Die meisten der Häuser wurden zwischen 1970 und 1989 errichtet. Die Folge des Stadtumbaus: Allein von 2004 bis 2007 mussten rund 4000 Dresdner ihre Wohnung wechseln.

2010 und 2011 sollen laut Stadtverwaltung in Dresden weitere knapp 2000 Wohnungen abgerissen werden - in Plattenbaugebieten am Reichenauer Weg und im Norden von Reick sowie die letzten beiden „Sterne" in Niedersedlitz. „Aufgrund der anhängigen Klageverfahren können wir derzeit noch nicht endgültig abschätzen, wann tatsächlich mit dem Rückbau begonnen werden kann", sagt Bettina Benner, Sprecherin der zuständigen Gagfah.

Einige Mieter wehren sich heftig gegen die Abrisse. Diese dürften auch die letzten großen Rückbauprojekte in Dresden sein. „Es liegen keine weiteren Anträge für 2012 und die Folgejahre im Rahmen des Programms ‚Stadtumbau Ost‘ vor", erklärt Stadtsprecher Karl Schuricht. „Nach derzeitigem Stand ist davon auszugehen, dass die Abrisszahlen stark zurückgehen."

Die Abrisse hatten und haben Auswirkungen auf die Entwicklungen der Mieten, denn dadurch wurden in der Regel nicht oder nur gering sanierte, preiswerte Wohnungen vom Markt genommen. „Durch diese Bereinigung verringert sich das Angebot und erhöht sich die Nachfrage, wodurch höhere Mieten für vergleichbare Wohnungen zu erzielen sind", sagt Mathias Wagner, Sprecher des Dresdner Mietervereins. Genaue Zahlen seien ab Ende 2010 im neuen Mietspiegel für die sächsische Landeshauptstadt nachzulesen.

© DNN-Online, 17.08.2010, 08:00 Uhr
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