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Warum im Dresdner Landtag das Essen ebenso wenig kostet wie an der Uni

Skadi Hofmann

  • Foto: André Kempner
Dresden. Die Königsberger Klopse in Kapernsauce mit Kräuterreis gingen am Donnerstag für 2,80 Euro über die Kantinentheke im sächsischen Finanzministerium. Im Landtag wurde das gleiche Mahl sogar noch garniert mit Buttermöhren für ebenfalls 2,80 an die Abgeordneten verkauft. Und die Hähnchenbrust in der Uni-Mensa: 2,80 Euro. Der Dresdner Studentenrat kritisiert seit Jahren, dass sich die Essenspreise in Studenten-Mensen zu denen in Kantinen gut verdienender Politiker oder Ministerialbeamter gefährlich angleichen. Grund sind die sinkenden Zuschüsse des Freistaates für die Studentenwerke, die ins Mensa-Essen fließen. Wie berichtet, bekommen die sächsischen Studentenwerke 2011 erneut eine Mio Euro weniger (5,5 Mio). Das Essen wird daher künftig teurer, ebenso wie voraussichtlich der Semesterbeitrag, der ebenfalls zur Hälfte der Essenssubventionierung dient.
Subventioniert werden nicht nur die Lernenden ohne Einkommen, sondern auch jene, die in Ministerium, Landtag oder im MDR-Landesfunkhaus gutes Geld verdienen. Die externen Caterer zahlen häufig weder Miete noch Strom noch Energie für die gepachtete Kantine - das tut der Freistaat. So funktioniert das im Finanzministerium (günstigstes Gericht 2,80 Euro). "Dorfner Catering" werden diese Kosten erlassen, bestätigt eine Firmensprecherin. Das Unternehmen betreibt auch die Kantine der Staatskanzlei und zweier weiterer Behörden.

So dürften auch die günstigen Preise im Landtag zustande kommen (günstigstes Gericht 2,80, Suppe 1,25 Euro), auch wenn das am Donnerstag niemand bestätigen wollte. Der Kantinenpächter "Sodexo" räumte zumindest ein, dass das Modell "Miet- und Medienkosten frei" zum Beispiel im Justizzentrum an der Lothringer Straße die Preise sinken lässt. Über den Landtag wollte man sich nicht äußern. Dabei erhält ein Abgeordneter eine monatliche "Grundentschädigung" von 4835 Euro, hinzu kommen Kostenpauschale (1161 Euro) und Fahrtkostenpauschale (645 Euro) sowie weitere Sonderzahlung zum Beispiel als parlamentarischer Geschäftsführer einer Partei.

Auch im MDR-Landesfunkhaus gehen die Angestellten mit vernünftigen Gehältern heim, dennoch wird dem Kantinenpächter Sodexo unter die Arme gegriffen, damit Fusilli mit Thunfisch-Tomatensauce nur 2,80 Euro kosten. Vergangenes Jahr kritisierten die Rechnungshöfe diese Bezuschussung - 76.900 Euro waren es 2006, Rundfunk-Gebühren, die nicht in TV- und Radioprogramm, sondern in Hähnchen flossen. Die Zuschüsse sind "mittelfristig einzustellen", forderten die Prüfer damals. Der MDR hat sein Streben um eine optimierte Kantinenwirtschaft zugesagt. Er sehe sich aber außerstande, ganz auf die Zuschüsse zu verzichten. "Wir unterstützen den Pächter nur noch geringfügig", sagte Landesfunkhaus-Verwaltungsleiter Hans-Peter Landrock am Donnerstag.

Für 2,36 Euro ist am Freitag Pizza in der TU-Mensa zu haben, Mitarbeiter zahlen übrigens 3,37 und Gäste mehr als vier Euro. Mittagessen mit dem studierenden Enkel ist teurer als mit dem Landtagsabgeordneten seines Vertrauens.


© DNN-Online, 20.08.2010, 09:41 Uhr
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