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Plagiatsvorwürfe gegen Kujaus geistige Erben - Verwandte steht vor Gericht

Christoph Springer

  • Foto: Volkmar Heinz
Dresden. Der Name Kujau verpflichtet. Zumindest hat er Petra Kujau offenbar dazu animiert, es dem entfernten Verwandten gleich zu tun und mit Fälschungen Geld zu verdienen. Viel Geld. Die Rede ist von etwa 300000 Euro, Einnahmen aus dem Verkauf von rund 300 Bildern mit dem Signet ihres berühmten Verwandten Konrad Kujau. Doch Petra Kujau hat nie selbst gemalt. Sie hat sich darauf spezialisiert, billige Kopien berühmter Gemälde mittels Kujau-Zertifikaten zu "echten" Werken des Fälschers zu machen. Auch dessen Unterschrift auf den Gemälden war nicht echt, wirft ihr die Dresdner Staatsanwaltschaft vor. Seit gestern muss sie sich dafür gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten vor Gericht verantworten.

Monet und van Gogh, Klimt und Franz Marc, Cezanne und Degas - die Fälscherwerkstatt lieferte auch nach dem Tod von Konrad Kujau vermeintliche Fälschungen von Bildern berühmter Maler. Der Name Konrad Kujau war bares Geld wert, seit der Fälscher mit seinen Hitler-Tagebüchern 1983 einen Medienskandal ausgelöst hatte. Kujau kam dafür hinter Gitter. Wieder auf freiem Fuß, machte er Fälschungen zu einem einträglichen Geschäft. Ein "echter Kujau" war gefragt, es entstanden Fälschergalerien unter anderem in Stuttgart, Berlin und Dresden. Dort wurden "seine" Bilder verkauft, Kopien berühmter Gemälde, handgefertigt von Kujau und versehen auch mit seinem Signet. "Er malte bis zu fünf Bilder pro Tag", berichtete die Angeklagte gestern im Landgericht. Doch das reichte nicht, spätestens, als der Meister an Krebs erkrankte. Kujau ließ malen und fügte nur noch sein Signet hinzu. Auch Philipp Schnauthiel, der deshalb heute als Kujau-Fachmann gilt, malte für den Meisterfälscher. Am 12. September 2000 starb der gebürtige Löbauer Konrad Kujau in Stuttgart.

Das Geschäft mit gefälschten Bildern brachte das offenbar nicht zum Erliegen. Rund 750 gefälschte Kujau-Fälschungen sollen Petra Kujau und ihr Lebensgefährte seit dem Tod des Malers verkauft haben. Einer Kujau-Schülerin fiel das florierende Geschäft bei einem Internetauktionshaus auf, sie erstattete Anzeige. Zwei Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft, bis sie im April 2008 Anklage erhob.

Dass das Verfahren erst gestern eröffnet wurde, lag an der Arbeitsbelastung der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Kubista. Reichlich die Hälfte der Fälle ist deshalb inzwischen verjährt. 40 der angeklagten Fälle räumte das Duo ein. Für diese Kooperation stellte das Gericht eine Strafobergrenze von zwei Jahren in Aussicht. Die Taten lägen bis zu sieben Jahre zurück und eine Vielzahl der Bilder sei von den Verfahrensbeteiligten noch gar nicht gesehen worden, begründete Kubista. Außerdem seien bisher nur 40 Bilder begutachtet worden und das Ergebnis "nicht eindeutig".

Immerhin: Zwei der begutachteten Bilder hat Gutachter Phillipp Schnau-thiel absolut sicher wiedererkannt. Er hat sie selbst für Kujau gemalt. Der Meisterfälscher bekam sie aber ohne Unterschriften und Schnauthiel ist überzeugt, Kujau selbst habe nicht auf den Bildern unterschrieben. "Ich habe nie ein Bild an seiner Stelle signiert", sagte er gestern auf dem Gerichtsflur, Kujau habe ihm aber eine Unterschriftsprobe gegeben - für den Fall der Fälle. Wer auf den Bildern unterschrieben hat, blieb gestern offen. Petra Kujau räumte immerhin ein, die Echtheitszertifikate selbst signiert zu haben. Dabei handelte es sich um vorgefertigte Urkunden mit der gedruckten Unterschrift des Meisterfälschers, auf der sie dann die Echtheit der Fälschungen bestätigte.

Die gefälschten Kujaus sind inzwischen bei ihren Eigentümern so beliebt, dass fast alle die von der Staatsanwaltschaft angeforderten Bilder zurückhaben wollen, berichtete Richter Kubista. Ist das Verfahren abgeschlossen, wird das eine Spezialfirma für Kunsttransporter erledigen. Eine der teuersten, wie am Rande der Verhandlung zu erfahren war. So, wie es sich für "richtige Kunstwerke" gehört.

Petra Kujau und ihr Lebensgefährte werden indes zuvor wieder im Landgericht erwartet. Am kommenden Donnerstag sollen dort die Plädoyers gehalten werden, das Urteil ist Mitte des Monats zu erwarten.

© DNN-Online, 04.09.2010, 08:52 Uhr
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