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Interview mit Manager Hans-Jörg Otto über die Zukunft des Harbig-Stadion
Am 15. September vor einem Jahr ist das neue Rudolf-Harbig-Stadion mit einem Freundschaftsspiel gegen Bundesligist Schalke 04 eingeweiht worden. DNN-Redakteurin Skadi Hofmann sprach mit Stadionmanager Hans-Jörg Otto über die emotionalste Immobilie der Stadt, deren Auslastung und die bevorstehenden Vertragsverhandlungen.
Wir wollten Sie in der neuen Radeberger- oder Veolia-Arena begrüßen, aber das Namensrecht ist noch immer nicht verkauft.
Das ist Sache des Vermarkters Sportfive, aber ich denke, dass wir nächstes Jahr einen Namenssponsor haben. Es gibt nach meinem Kenntnisstand auch schon einen Kandidaten. Zur Frauen-WM im Sommer muss das gesamte Stadion von Werbung befreit sein, das wäre ein Riesenaufwand für den Namenssponsor. Augsburg hatte von der FIFA 50 Seiten Auflagen für die U-20-WM, weil der Name „Impuls-Arena" überall verschwinden musste. Da mussten Sitze mit dem Logo raus bis hin zu kleinen Namensschildern an den Bürotüren der Mitarbeiter.
Gibt es gar keine Geburtstagsparty?
Wir haben das Frauen-Länderspiel am 15. September gegen Kanada. Das passt thematisch. Richtig fertig war das Stadion am 15. September ja noch nicht. Wir bauen und bessern noch aus, die Fankneipe ist noch nicht fertig.
Die sollte längst eingeweiht sein...
Da hat der Bau noch eine ganze Weile gedauert, weil man sich erst über die Finanzierung der Mehrkosten einigen musste. (Anm.d.Red.: Die Projektgesellschaft übernimmt die 90.0000 Euro Baukosten, Dynamo zahlt die Summer über 10 Jahre ab). Sie soll Anfang Dezember fertig werden. Wir sind mit den Fangruppen im Gespräch, was die Innengestaltung angeht.
Der VIP-Bereich ist bei Spielen nicht voll, stellt Sie die Vermarktung zufrieden?
Die Auslastung bei anderen Drittligisten ist nicht höher, in der zweiten und ersten Liga ist das natürlich anders, da wäre auch unser Business-Club voll. Aber Dynamo stand vorige Saison in der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz, die überregionalen Sponsoren stehen nicht Schlange. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass es Dynamo in die zweite Liga schafft. Hinzu kam das Sommertheater im Verein mitten in der Akquise-Phase.
Das Stadion soll auch für Konzerte genutzt werden, wann kommt der erste Star?
Wir sind in der Planung einer großen Musikveranstaltung kommenden Sommer. Es geht um eine Schlagernacht ähnlich wie vor kurzem in der Arena auf Schalke mit vielen Stars. Wenn es klappt, wird es wohl Ostdeutschlands größte Schlagerparty.
Wie steht es sonst um die Auslastung jenseits von Fußball?
Wir hatten ein gut besuchtes Football-Spiel der Monarchs, das wir gern wiederholen. Hinzu kommen Stadionführungen, Firmenveranstaltungen, der Firmenlauf oder die Ü-30-Party.
Schreibt die Betreibergesellschaft schwarze Zahlen?
Nein. wir weisen für das erste Jahr seit der Eröffnung ein Minus aus, das aus den hohen Betriebskosten für das Stadion rührt. Viele machen sich keine Vorstellung, was die Betreibung kostet - allein die permanente Beheizung des Kabinenbereichs auf 28 Grad oder das Entmüdungsbecken.
Die Neuverhandlungen der Stadionverträge stehen bevor, worauf laufen Sie Ihrer Meinung nach hinaus?
Wir haben als Projektgesellschaft aus dem Konzessionsvertrag mit der Stadt die Auflage, dass wir keinen Gewinn machen dürfen. Daher können wir auch nicht 100 000 Euro zur Stadionmiete von Dynamo zuschießen, wie es als Wunsch im Stadtratsbeschluss von 2009 steht. Sollte ein Gewinn anfallen, entscheidet ein Beirat, was damit passiert.
Den gibt es ja noch immer nicht.
Er wird sich am 20. September konstituieren mit je zwei Vertretern von Stadt, Projektgesellschaft und Dynamo sowie je einer beratenden Person.
Wird sich die Kommune damit abfinden müssen, auch künftig kräftig Geld zuzuschießen für den Stadionbetrieb?
Sie wird sich damit abfinden müssen. Es ist keine tragbare Lösung, dass der Verein die Betriebskosten trägt, das kann er als Drittligaclub nicht. Die Miete muss verhältnismäßig sein. Wir können die Kosten auch nicht tragen, es geht also nur in Richtung Stadt. Mittelfristig muss es eine Lösung geben, wie der Verein in die 2. Liga kommt und sich selbst tragen kann.
Die Fangemeinschaft Dynamo hat jüngst Anzeige erstattet, weil sie die Abtrennung von Zuschauerbereichen durch Zäune für nicht rechtens hält.
Einen Straftatbestand für eine Anzeige gibt es nicht. Zu sagen, ein U-20-WM-Spiel Neuseeland gegen Brasilien muss ebenso behandelt werden wie Dynamo gegen Jena, da fehlt mir die Selbstreflektion. Bei Ligaspielen fordert der DFB ein Stadion, das in vier Sektoren unterteilt ist. Im Gefahrenfall muss eine konfliktfreie Evakuierung gewährleistet werden. Wie soll ohne Trennung sichergestellt werden, dass in einem Sektor nicht mehr Leute sind, als dort evakuiert werden können? Wie sollen Tumulte verhindert werden, wenn Heim- und Gästefans direkt nebeneinander stehen?
Die U-20-Frauen-WM hat alle Erwartungen übertroffen, wie viele Karten sind von der FIFA verschenkt worden, um die Leute anzulocken?
Ein Großteil der Karten sind Unternehmenskontingente. Die Firmen verschenken ie Karten an Kunden, haben sie aber selbst vorher gekauft. Es gab Freikarten für Kitas und Schulen, wie viele kann ich nicht sagen, aber weniger als gedacht. Beim Spiel USA gegen Schweiz haben wir allein in der halben Stunde vor dem Anpfiff 3000 Karten an er Tageskasse verkauft. Wahnsinn.
Viele, die nicht zu Dynamo gehen, wollten mal das Stadion sehen. Kommen die alle zur Frauen-WM wieder?
Ich bin sicher, dass wir ein volles Haus haben, das wird schließlich das Sporthighlight des deutschen Sommers.
Mit welchem Gefühl feiern Sie persönlich den Stadion-Geburtstag?
Für mich ist es ein Traumjob. Wir haben die emotionalste Immobilie der Stadt. Unser Ziel ist es, dass die Dresdner das Gefühl bekommen: Das ist ihr Stadion, nicht nur das Dynamo-Stadion. Daher muss es auch Veranstaltungen wie ein Spiel der Monarchs geben, das sich finanziell nicht lohnt, aber an das sich jeder, der da war, erinnert.
Wir wollten Sie in der neuen Radeberger- oder Veolia-Arena begrüßen, aber das Namensrecht ist noch immer nicht verkauft.
Das ist Sache des Vermarkters Sportfive, aber ich denke, dass wir nächstes Jahr einen Namenssponsor haben. Es gibt nach meinem Kenntnisstand auch schon einen Kandidaten. Zur Frauen-WM im Sommer muss das gesamte Stadion von Werbung befreit sein, das wäre ein Riesenaufwand für den Namenssponsor. Augsburg hatte von der FIFA 50 Seiten Auflagen für die U-20-WM, weil der Name „Impuls-Arena" überall verschwinden musste. Da mussten Sitze mit dem Logo raus bis hin zu kleinen Namensschildern an den Bürotüren der Mitarbeiter.
Gibt es gar keine Geburtstagsparty?
Wir haben das Frauen-Länderspiel am 15. September gegen Kanada. Das passt thematisch. Richtig fertig war das Stadion am 15. September ja noch nicht. Wir bauen und bessern noch aus, die Fankneipe ist noch nicht fertig.
Die sollte längst eingeweiht sein...
Da hat der Bau noch eine ganze Weile gedauert, weil man sich erst über die Finanzierung der Mehrkosten einigen musste. (Anm.d.Red.: Die Projektgesellschaft übernimmt die 90.0000 Euro Baukosten, Dynamo zahlt die Summer über 10 Jahre ab). Sie soll Anfang Dezember fertig werden. Wir sind mit den Fangruppen im Gespräch, was die Innengestaltung angeht.
Der VIP-Bereich ist bei Spielen nicht voll, stellt Sie die Vermarktung zufrieden?
Die Auslastung bei anderen Drittligisten ist nicht höher, in der zweiten und ersten Liga ist das natürlich anders, da wäre auch unser Business-Club voll. Aber Dynamo stand vorige Saison in der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz, die überregionalen Sponsoren stehen nicht Schlange. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass es Dynamo in die zweite Liga schafft. Hinzu kam das Sommertheater im Verein mitten in der Akquise-Phase.
Das Stadion soll auch für Konzerte genutzt werden, wann kommt der erste Star?
Wir sind in der Planung einer großen Musikveranstaltung kommenden Sommer. Es geht um eine Schlagernacht ähnlich wie vor kurzem in der Arena auf Schalke mit vielen Stars. Wenn es klappt, wird es wohl Ostdeutschlands größte Schlagerparty.
Wie steht es sonst um die Auslastung jenseits von Fußball?
Wir hatten ein gut besuchtes Football-Spiel der Monarchs, das wir gern wiederholen. Hinzu kommen Stadionführungen, Firmenveranstaltungen, der Firmenlauf oder die Ü-30-Party.
Schreibt die Betreibergesellschaft schwarze Zahlen?
Nein. wir weisen für das erste Jahr seit der Eröffnung ein Minus aus, das aus den hohen Betriebskosten für das Stadion rührt. Viele machen sich keine Vorstellung, was die Betreibung kostet - allein die permanente Beheizung des Kabinenbereichs auf 28 Grad oder das Entmüdungsbecken.
Die Neuverhandlungen der Stadionverträge stehen bevor, worauf laufen Sie Ihrer Meinung nach hinaus?
Wir haben als Projektgesellschaft aus dem Konzessionsvertrag mit der Stadt die Auflage, dass wir keinen Gewinn machen dürfen. Daher können wir auch nicht 100 000 Euro zur Stadionmiete von Dynamo zuschießen, wie es als Wunsch im Stadtratsbeschluss von 2009 steht. Sollte ein Gewinn anfallen, entscheidet ein Beirat, was damit passiert.
Den gibt es ja noch immer nicht.
Er wird sich am 20. September konstituieren mit je zwei Vertretern von Stadt, Projektgesellschaft und Dynamo sowie je einer beratenden Person.
Wird sich die Kommune damit abfinden müssen, auch künftig kräftig Geld zuzuschießen für den Stadionbetrieb?
Sie wird sich damit abfinden müssen. Es ist keine tragbare Lösung, dass der Verein die Betriebskosten trägt, das kann er als Drittligaclub nicht. Die Miete muss verhältnismäßig sein. Wir können die Kosten auch nicht tragen, es geht also nur in Richtung Stadt. Mittelfristig muss es eine Lösung geben, wie der Verein in die 2. Liga kommt und sich selbst tragen kann.
Die Fangemeinschaft Dynamo hat jüngst Anzeige erstattet, weil sie die Abtrennung von Zuschauerbereichen durch Zäune für nicht rechtens hält.
Einen Straftatbestand für eine Anzeige gibt es nicht. Zu sagen, ein U-20-WM-Spiel Neuseeland gegen Brasilien muss ebenso behandelt werden wie Dynamo gegen Jena, da fehlt mir die Selbstreflektion. Bei Ligaspielen fordert der DFB ein Stadion, das in vier Sektoren unterteilt ist. Im Gefahrenfall muss eine konfliktfreie Evakuierung gewährleistet werden. Wie soll ohne Trennung sichergestellt werden, dass in einem Sektor nicht mehr Leute sind, als dort evakuiert werden können? Wie sollen Tumulte verhindert werden, wenn Heim- und Gästefans direkt nebeneinander stehen?
Die U-20-Frauen-WM hat alle Erwartungen übertroffen, wie viele Karten sind von der FIFA verschenkt worden, um die Leute anzulocken?
Ein Großteil der Karten sind Unternehmenskontingente. Die Firmen verschenken ie Karten an Kunden, haben sie aber selbst vorher gekauft. Es gab Freikarten für Kitas und Schulen, wie viele kann ich nicht sagen, aber weniger als gedacht. Beim Spiel USA gegen Schweiz haben wir allein in der halben Stunde vor dem Anpfiff 3000 Karten an er Tageskasse verkauft. Wahnsinn.
Viele, die nicht zu Dynamo gehen, wollten mal das Stadion sehen. Kommen die alle zur Frauen-WM wieder?
Ich bin sicher, dass wir ein volles Haus haben, das wird schließlich das Sporthighlight des deutschen Sommers.
Mit welchem Gefühl feiern Sie persönlich den Stadion-Geburtstag?
Für mich ist es ein Traumjob. Wir haben die emotionalste Immobilie der Stadt. Unser Ziel ist es, dass die Dresdner das Gefühl bekommen: Das ist ihr Stadion, nicht nur das Dynamo-Stadion. Daher muss es auch Veranstaltungen wie ein Spiel der Monarchs geben, das sich finanziell nicht lohnt, aber an das sich jeder, der da war, erinnert.
© DNN-Online, 09.09.2010, 18:00 Uhr
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